Borreliose

Hier erhalten Sie neue und umfassende Informationen zu Symptomen, Verlauf und Therapiemöglichkeiten der Lyme-Borreliose.
Dr. Thomas Herzog, Arzt für Neurologie, Radiologie und Neuroradiologie

 

Borreliose

Eine durch Zecken übertragene Krankheit breitet sich aus

Die Borreliose ist eine meist von Zecken übertragene und von spiralförmigen Bakterien der Gattung Borrelia hervorgerufene Infektionskrankheit. Die übertragende Zecke wird umgangssprachlich auch Holzbock (lat. Ixodes ricinus) genannt. Die Borreliose wird auch als Lyme-Krankheit oder Lyme disease bezeichnet. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 60.000 bis 100.000 Menschen an Lyme-Borreliiose. Die Borreliose ist gut behandelbar, wenn sie erkannt worden ist. Die Diagnose ist jedoch oft schwierig, da die Symptome oft nicht eindeutig und der Zeckenbiss teilweise nicht bemerkt wird. Oft wird die Borreliose nicht oder recht spät erkannt. Unbehandelt kann durch die Borreliose Haut, Gelenke, aber auch Herz und Nervensystem befallen werden.

Die Lyme-Borreliose tritt in ganz Europa, dem nördlichen Teil Asiens und den USA auf. Eine Impfung dagegen gibt es bislang nicht, unter anderem, da in Deutschland verschiedene Arten des Bakteriums auftreten. In den USA war eine Zeit lang ein Impfstoff erhältlich, der aber nur gegen die dort vorkommende Unterart wirksam war, die in Deutschland nur selten auftritt. Es gibt aber vorbeugende Maßnahmen, mit denen man die Gefahr der Erkrankung sehr gering halten kann. 

Wie kann man sich anstecken?

Die Lyme-Borreliose wird von Bakterien der Gattung Borrelia ausgelöst, die mit den Erregern der Syphilis verwandt sind. Beides sind schraubförmig, sich aktiv bewegende gram-negative Bakterien, auch Spirochäten genannt. Nach heutigem Erkenntbisstand gibt es vier Borrelien-Arten, die die Lyme-borrliose auslöden: Borrelia burgdorferi, Borrelia garinii, Borrelia afzelii und Borrelia spielmanii. In Europa kommen alle vier dieser Erregerstämme vor, während in den USA nur Erreger der Art Borrelia burgdorferi auftreten.

Aus diesem Grund lassen sich Erkenntnisse und Empfehlungen aus den USA nur bedingt auf Deutschland übertragen, weswegen es in den USA eine Zeit lang eine Borreliose-Impfung gab, in Deutschland aber nicht. Leider entwickelt der Körper gegen Borrelien keine ausreichende Immunität, so dass man im Laufe des Lebens mehrfach erkranken kann.

Die Borrelien werden in erster Linie von Zecken, in unseren Breiten durch den gemeinen Holzbock (lat. Ixodes ricinus), übertragen. Infektionen nach Stichen von Bremsen sind beschrieben, aber eher die Ausnahme. Infektionen erfolgen beinahe ausschließlich in der Zeit von März bis Oktober, besonders gefährlich sind die Monate Juni bis August. Entgegen vieler Behauptungen lassen sich die Zecken nicht von Bäumen auf ihre Opfer fallen, vielmehr lauern sie in Gräsern und Büschen. Von dort gelangen sie auf ihre Opfer und wandern teilweise Stunden auf der Suche nach einer geeigneten Bissstelle. Bevorzugte Stellen sind Kopf, Hals, in den Achselhöhlen, in den Kniekehlen sowie zwischen den Beinen. Nach dem Biss saugt die Zecke über drei Tage hinweg, bevor sie wieder abfällt. In den ersten 12 Stunden ist das Infektionsrisiko gering, steigt danach aber deutlich an. nach 48 bis 72 Stunden ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung sehr hoch, fallls die Zecke selbst mit dem Erreger infiziert ist. Aus diesem Grund sollte die Zecke immer möglichst schnell entfernt werden.

Der Anteil infizierter Zecken unterscheidet sich je nach Region und liegt in Norddeutschland bei etwa 6-10%, in den Mittelgebirgen bei 20-30%, in den Hochrisikogebieten lokal deutlich darüber. Studien zufolge beträgt das Risiko, bei einem Zeckenbiss infiziert zu werden, ca. 1,5-6%, wobei nur bei etwa einem Viertel der Infektionen tatsächlich zu einem Ausbruch der Borreliose kommt. Daher ist es auch wenig sinnvoll, eine Zecke auf Borrelien untersuchen zu lassen, wenn man gebissen wurde.

Wie kann man sich schützen?

Die beste Prophylaxe ist diei Vermeidung von Zeckenbissen. Beachtet man einige Vorsichtsmaßnahmen, kann man sich effektiv vor einer Infektion mit Borreliose schützen:

  • Halten Sie bei Spaziergängen oder Wanderungen den Kontakt mit Unterholz, hohem Gras und bodennahen Pflanzen gering.
  • Tragen Sie beim Aufenhalt in möglichem Zeckengebiet geschlossene Schuhe und wenn machbar lange Kleidung. Wenn die Kleidung hell ist, lassen sich Zecken auf ihr leichter entdecken.
  • Zusätzlich können Sprays oder ähnliche Mittel benutzen, die Zecken fernhalten (sog. Repellentien). Allerdings bieten Repellentien keinen vollständigen Schutz, auch lässt der Schutz nach etwa zwei Stunden nach.
  • Teilweise halten sich Zecken zunächst in der Kleidung auf, die Sie bei einem Waldspaziergang getragen haben. Die Zecken können in dieser Kleidung bis zu drei Tage überleben. Ziehen Sie diese Kleidung während dieser Zeit nicht an und lagern Sie und lagern Sie sie getrennt von anderer Kleidung.
  • Suchen Sie nach Waldspaziergängen sich und Ihre Familie gründlich nach Zecken ab. Bevorzugte Plätze von Zecken sind Kniekehlen, Achselhöhlen, Kopf, Hals und der Schritt.
  • Wenn Sie Haustiere haben, die gelegentlich im Freien sind, sollten Sie auch deren Fell nach Zecken durchsuchen.
  • Wenn Sie eine Zecke am Körper entdecken, entfernen Sie diesie so bald wie möglich. Packen Sie die Zecke dazu mit einer Pinzette oder Zeckenzange so dicht wie möglich an der Haut und ziehen Sie diese vorsichtig heraus. Es kann helfen, die Zecke dabei leicht hin und her zu drehen. Entgegen mancher Ratgeber ist es nicht nötig, die Zecken wie eine Schraube herauszudrehen. Ziehen Sie die Zecke gleichmäßig und gerade heraus. Vermeiden Sie es auf jeden Fall, den Hinterleib der Zecke zu zerquetschen, denn dadurch gelangen leichter Erreger in die Wunde. Aus dem gleichen Grund sollten Sie die Zecke vor dem Herausziehen auch auf keinen Fall mit Öl, Klebstoff oder Nagellack bedecken. Die Zecke könnte dabei erbrechen und ihren infizierten Speichel in die Bisstelle ergießen. Wenn die Zecke gezogen ist, desinfizieren Sie die Bissstelle sorgfältig und untersuchen Sie die Stelle auf zurückgebliebene Zeckenteile.

Wie erkennt man eine Infektion?

Symptome
Die Symptome einer Lyme-Borreliose sind vielfältig, was die Diagnose der Krankheit schwierig machen kann. Die Lyme-Borreliose kann viele Organe betreffen. Hinzu kommt, dass nicht alle Symptome  generell bei jedem Patienten auftreten. Man differenziert zwischen einem frühen und späteren Krankheitsstadium und unterscheidet zusätzlich zwischen lokalen und generalisierten Symptomen. Allgemein kann die Erkrankung aber in drei Stadien eingeteilt werden:

Stadium I
Tage bis Wochen nach der Infektion zeigen sich in einigen Fällen Symptome ähnlich einer Grippe: Kopf-, Glieder- oder Gelenkschmerzen, Fieber und allgemeine Erschöpfung. Oft sind die Lymphknoten geschwollen, in manchen Fällen kommen Darmbeschwerden hinzu. Diese ersten Symptome einer Lyme-Borreliose werden oft für eine Sommergrippe oder Darmgrippe gehalten. Sollten diese Krankheitsanzeichen knapp zwei Wochen nach einem Zeckenstichauftreten, suchen Sie auf jeden Fall einen Arzt auf und teilen Sie ihm Ihren Verdacht mit! Innerhalb der ersten Tage bis Wochen entsteht außerdem in etwa der Hälfte der Fälle an der Einstichstelle eine Hautrötung, die mindestens handtellergroß wird und in der Mitte häufig wieder verblasst. Diese sogenannte Wanderröte (Erythema migrans) ist für die Lyme-Borreliose typisch und somit ein nahezu sicherer Hinweis für eine Erkrankung, aber nur rund 50% der Infizierten entwickeln diese Wanderröte.

Stadium II
Wenn sich die Erreger im Körper ausbreiten konnten, was mehrere Wochen oder bis zu Monaten nach dem Zeckenbiss dauern kann, treten brennende Nervenschmerzen auf, häufig in der Nähe der Einstichstelle. Diese Schmerzen zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf einfache Schmerzmittel kaum reagieren. Das erste Auftreten der Schmerzen ist oft von asymmetrischen Lähmungen am Kopf begleitet, z.B. ähnlich der Gesichtslähmungen nach einem Schlaganfall. Die Kombination dieser Symptome der Lyme-Borreliose wird als auch „Bannwarth-Syndrom“ bezeichnet. Manchmal treten auch Sehstörungen auf. In seltenen Fällen kommt es zu bläulich-roten, wenige Zentimeter großen Schwellungen vor allem an Ohr, Brustwarze oder Hodensack. Weitere mögliche Folgen sind Entzündungen des Herzmuskels und/oder Herzrhythmusstörungen.

Stadium III
Sechs Monate oder mehrere Jahre nach dem Zeckenbiss können sich bevorzugt auf der Streckseite der Extremitäten (gelegentlich auch im Gesicht oder am Stamm) entzündliche Hautläsionen entwickeln, die in ein atrophisches Stadium (Acrodermatitis chronica atrophicans) übergehen. Es imponiert ein dünne pergamentpapierähnliche Haut mit deutlicher Venenzeichnung. Die betroffenen Areale weisen zum Teil Änderungen der Pigmentierung auf. Die Patienten klagen über Schmerzen, Pruritus und Missempfindungen. Ferner können im Stadium III chronisch-progredient verlaufende Hirnhautentzündungen (chronisch-progrediente Meningoencephalitiden) und chronisch-entzündliche Erkrankungen der kleinen Hirngefäße (cerebrale Vaskulitiden) auftreten. Diese können zu teils irreversiblen neurologischen Defiziten wie Hirnnervenausfällen, Lähmungen, Gefühlsstörungen, Koordinationsstörungen sowie Blasenfunktionsstörungen und Wesensänderungen führen.

Zunehmend findet man auch eine Klassifizierung der Stadien in sog. Früh- und Spätmanifestationen, zumal die Zecken-Borreliose nicht immer die Reihenfolge der geschilderten Stadien durchläuft und die Infektionskrankheit in jedem Stadium erstmals auftreten kann. Die Stadienzuordnung und damit verbunden die Auswahl der Therapie trifft der Arzt.

Wie sichert man die Diagnose?

Die Diagnose der Lyme-Borreliose kann schwierig sein, da die Krankheit oft recht schleichend verläuft. Viele Zeckenbisse werden gar nicht odr zu spät bemerkt, die charakteristische Wanderröte tritt nur im Anfangsstadium und auch nur in der Hälfte der Fälle auf. Meistens wird die Diagnose einer Lyme-Borreliose über die Antikörper, die das Immunsystem gegen die Erreger gebildet hat und die sich im Blut befinden, bestätigt. Um auszuschließen, dass der erste Test eine Infektion anzeigt, wenn keine vorliegt, wird bei einer positiven Reaktion zur Bestätigung ein Immunoblot-Test durchgeführt. Dieser Test überprüft nun das Vorhandensein von Bakterienteilen im Blut. Wenn er negativ ist, empfiehlt es sich, zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal auf eine Lyme-Borreliose zu testen. Gerade in den ersten Wochen nach der Ansteckung hat der Körper oft noch nicht genügend Antikörper gebildet, um diese sicher nachweisen zu können.

Fällt der Test auf Antikörper negativ aus, obwohl aufgrund der Symptome die Diagnose Lyme-Borreliose naheliegt, kann der Erreger unter Umständen auch direkt nachgewiesen werden. In diesem Fall ist eine Blutprobe aber nicht geeignet. Weisen die Symptome auf eine Neuroborreliose hin, entnimmt der Arzt etwas sog. Hirnwasser (Liquor) aus dem Kanal um das Rückenmark. Liegen auffällige Hautveränderungen vor, wird durch eine Biopsie eine Gewebeprobe genommen.

Ein Erregernachweis allein reicht allerdings nicht aus, um die Diagnose Lyme-Borreliose zu stellen, da nicht jede Infektion auch zur Erkrankung führt. Außerdem könnten nachgewiesene Antikörper auch von einer früheren Infektion stammen. Die Diagnose wird im Normalfall also aus einer Kombination der Symptome und der Tests gestellt.

Wie kann man die Borreliose behandeln?

Da es sich um eine bakterielle Erkrankung handelt, erfolgt die Therapie der Lyme-Borreliose durch die Gabe von Antibiotika, wobei verschiedene Substanzen erfolgreich eingesetzt werden können. Eine generelle prophylaktische Antibiotikagabe nach einem erfolgten Zeckenbiss wird nicht empfohlen. Die Wahl des Antibiotikums, die Darreichungsform sowie die Anwednungsdauer richten sich nach dem Stadium der Erkrankung, der klinischen Manifestation der Erkrankung sowie nach dem Alter des Patienten. Die Erreger der Borreliose reagieren in vitro sehr empfindlich auf Cefotaxim (Claforan), Ceftriaxon (Rocephin) und Makrolide wie Erythromycin, etwas weniger empfindlich auf Amoxicillin und Tetracycline (z.B. Doxycyclin).

Stadium I der Lyme-Borreliose wird in der Regel mit Antibiotika in Tablettenform behandelt. Spätstadien der Lyme-Borreliose können dadurch entstehen, dass die Therapie im Frühstadium nicht ausreichend war. Deshalb ist es wichtig, dass die Anweisungen des Arztes genau befolgt werden. Die Medikamente müssen in der richtigen Dosierung und solange eingenommen werden, wie dies vom Arzt vorgeschrieben wurde.

Standardtherapie im Stadium I ist derzeit bei Erwachsenen Doxycyclin 2 x 100 mg oral pro Tag oder Amoxicillin 3 x 500 mg oral pro Tag über 2 bis 3 Wochen. Während der Therapie mit Doxycyclin ist eine Sonnenexposition wegen häufiger fototoxischer Nebenwirkungen zu vermeiden. Bei Kindern unter neun Jahren sind Tetracycline (zB. Doxycyclin) kontraindiziert, weil es zu einer Gelbfärbung der Zähne kommen kann. Deshalb wird bei Kindern in der Regel Amoxicillin verabreicht. Alternativ können Cefuroximaxetil (Zinnat) oder bei Allergien gegen Beta-Laktam-Antibiotika (Penicilline und Cephalosporine) Makrolide wie Erythromycin eingesetzt werden, deren Wirkung jedoch unzuverlässiger zu sein scheint.

Bei Patienten mit Neuroborreliose (Stadium II) waren in randomosierten Studien folgende Therapieregimes wirksam:

  • Penicillin 18 bis 24 Mio E i.v. pro Tag über 14 Tage
  • Cefotaxim (Claforan) 3 x 2 g i.v. pro Tag über 14 Tage
  • Ceftriaxon (Rocephin) 1 x 2 g i.v. pro Tag über 14 Tage
  • Doxycyclin 2 bis 3 x 100 mg oral pro Tag über 14 Tage

Für die Therapie der Lyme-Borreliose im Stadium II wird meist eine Gabe eines Antibiotikums als Infusion in die Vene empfohlen. Dies aus zwei Gründen:

  • Um hohe Blutspiegel des Antibiotikums zu erreichen, damit die Erreger sicher abgetötet werden.
  • Um auch ausreichende Antibiotika- Spiegel in verschiedenen Geweben wie z.B. im Gehirn, Rückenmark und in den Gelenken zu gewährleisten, um dort befindliche Erreger zu beseitigen.

Die besten Ergebnisse wurden jedoch mit den Cephalosporin den dritten Generation (Cefotaxim und Ceftriaxon) erreicht. Weil es  nur einmal täglich i.v. verabreicht werden muss, ist Ceftriaxon 1 x 2 g i.v. pro Tag über 14 Tage die Standardbehandlung bei Borreliose Stadium II.

Im Stadium III wird mit Cetriaxon (Rocephin) 1 x 2 g i.v. über 14 bis 21 (bis 28) Tage behandelt. Eine Ausdehnung der Behandlung über 28 Tage ist nicht indiziert, sondern birgt ein hohes Risiko an Nebenwirkungen wie Antibiotika induzierten Darmentzündungen (pseudomembranöse Colitis) sowie der Ansammlung von Ceftriaxon-Kalksalzen in der Gallenblase. Letzere können zu Gallensteinen (Cholezystolithiasis) und daraus resultierend zu Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) führen.

 Da die Antikörper gegen die Erreger der Lyme-Borreliose auch noch Jahre nach einer erfolgreichen Behandlung nachgewiesen werden können, wird der Erfolg der Therapie an der Besserung der Symptome gemessen. Nicht vergessen: Die Lyme-Borreliose kann in jedem Stadium erfolgreich behandelt werden, aber je früher die Therapie beginnt, desto höher sind die Chancen für eine vollständige Wiederherstellung.

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